Gyula (Julius) Farkas,
Bekannter Wissenschaftler der Klausenburger Universität

Der Mathematiker und Physiker Gyula Farkas – der am meisten zitierter Professor aller Klausenburger Universitäten – wurde am 28. März 1847 in Sárosd (in Westungarn) geboren. Er begann seine schulische Ausbildung in Gyor, im Benediktinergymnasium. Im Jahr 1866 begann er das Studium der Rechtswissenschaften an der dortigen Musikakademie. In dieser Zeitspanne hat er mehrere Artikel im Bereich der Musiktheorie veröffentlicht. Auf Anraten des Physikprofessors Ányos Jedlik entschied er sich gegen ein Studium der Physik sondern für eine Bildung im Bereich der Naturwissenschaften und Chemie.
In der Zeitspanne 1870-1874 war er Lehrer in Székesfehérvár (Ungarn), dort unterrichtete er auch Musik. Er verfasste auch ein Physiklehrbuch für die Volksschulen. Zwischen 1874-1880, als Privatlehrer der Kinder des Grafen Géza Batthyányi, unternahm er mit dieser Familie einen Ausflug nach Italien und Frankreich, wo er berühmte Mathematiker traf (Hermite, Villarceau, usw.). Diese Bekanntschaften brachten ihm die Mathemathik näher. In den Jahren 1881-1887, mit der materiellen Unterstützung des Grafen Batthyányi, studierte er intensiv Mathematik und erlangte in diesem Gebiet auch den Doktortitel. Anschließend unterrichtete er die Theorie der Funktionen an der Budapester Universität.
Im Jahr 1887 wird Farkas Gyula als Professor an die Klausenburger Universität berufen, an den Lehrstuhl für theoretische Physik. Er war sieben Mal Dekan der Fakultät für Wissenschaften (1889-1890, 1892-1893, 1893-1894, 1896-1897, 1897-1898, 1898-1899, 1902-1903), einmal Rektor der Universität (1907-1908) und einmal Vizerektor (1908-1909).
Gyula Farkas wurde zum korrespondierenden Mitglied der Ungarischen Akademie im Jahr 1898 ernannt und zum vollen Mitglied im Jahr 1914. 1892 war er Delegierter der Klausenburger Universität in Padova und nahm an den Feierlichkeiten anlässlich der 300-jährigen Feier der Berufung Galileis an diese Universität. Ihm wurde später auch der Ehrendoktortitel der Universität Padova verliehen.
Die wichtigsten wissenschaftlichen Errungenschaften des Gyula Farkas war ein Theorem zu den Systemen der liniaren Ungleichheiten, heute benannt als die Lemma des Farkas. In der heutigen Auffassung kann dieses folgendermaßen betrachtet werden:
Die notwendige und zureichende Bedingung dass in einem euklidischen Raum die ungleichheit gx ? 0 eine Konsequenz des Systems der Ungleichheiten g 1 x ? 0, g 2 x ? 0, . , g n x ? 0 wird, ist dass der Vektor g einen liniare Kombination mit nicht-negativen Werten der Vektoren g 1 , g 2 , . , g n . . ist.
Dieses Theorem wurde in der wissenschaftlichen Welt schnell bekannt und vor allem ab dem Jahr 1951 verwendet, nach der Publikation des Buches von H. W. Kuhn-A. W. Tucker: Nonlinear programming, worin das Theorem als Beweis für die Multiplikatoren der Optimierungstheorie (heute bekannt als das Kuhn-Tucker-Theorem) verwendet wurde. Dieses Lemma von Farkas wird heute fast täglich in den mathematischen Behandlungen betreffend den operationalen Forschungen zitiert.
Farkas vollbrachte auch die Leistung, berühmte Mathematiker nach Klausenburg einzuladen, wie z.B. Lipót Fejér, Frigyes Riesz und Alfred Haar, die während ihrer Klausenburger Tätigkeiten wichtige Beiträge zur mathematischen Forschung leisteten. Ihre Namen dürfenin keiner ernsten aktuellen Behandlung der mathematischen Analyse fehlen.
Gyula Farkas hatte 1906 seinen ersten Artikel über die Relativitätstheorie veröffentlicht (der Artikel Einsteins in diesem Bereich erschien 1905). Das Fourier-Prinzip (beschrieben 1789) wurde von Gauss im Jahr 1829 wieder entdeckt. Gyula Farkas war der erste, der streng mathematisch dieses Prinzip nachgewiesen hatte. Er bewies die Nützlichkeit dieses Prinzips durch eine Beschreibung der Bewegung in einer viel allgemeineren Form als seine Vorgänger. Er hat sich auch mit den theoretischen Fragestellungen der Mechanik, Thermodynamik und Elektrodynamik beschäftigt. Sein mathematisches Talent unterstützte ihn in allen seinen Entdeckungen im Bereich der theoretischen Physik. „Die Natur verwendet die mathematische Sprache“ schrieb er in einer Studie. Im Jahr 1900 veröffentlichte er eine Arbeit über „Die Theorie der Vektoren und der einfachen Ungleichungen“, beinhaltend auch die eigenen Entdeckungen in diesem Bereich.
Er hatte auch die wissenschaftlichen Ergebnisse des Farkas und János Bolyai popularisiert. Im Jahr 1902 hatte er die Festrede anlässlich der Einweihung der Gedenktafels am Haus des János Bolyai gehalten. Er war auch einer der Gründer der Gesellschaft für Mathematik und Physik und Präsident der Abteilung für Naturwissenschaften des Siebenbürgischen Museumsvereins.
Er verfasste mehrere Vorlesungsunterlagen, von welchen mehrere auch heute in der Bibliothek der Fakultät für Mathematik und Physik vorhanden und zugänglich sind und die auch heute sehr einfach verstanden werden können – hauptsächlich wegen der klaren, didaktischen Auslegung.
Der wissenschaftliche Einfluss des Gyula Farkas ist auch in den Arbeiten von Alfred Haar, Imre Fényes und Teofil Vescan bemerkbar.
Farkas Gyula ging 1915 in den Ruhestand und zog sich in Pestszentlorinc (einer Ortschaft neben Budapest) zurück und verstarb dort am 27. Dezember 1930